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Gedankensplitter

Die vielen Aufenthalte der letzten 25 Jahre in Japan haben meine Sichtweise auf die Dinge geprägt. Die Beschäftigung mit japanischen Gärten, Bonsai und die langjährige Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten aus diesem Bereich ebenso.
Der Geist des Wabi-Sabi hat meine Seh- und Erlebensweise nachhaltig verändert.

Die Sicht auf die Welt und deren Dinge, das Empfinden von Wabi Sabi, eigentlich von jedermann nachvollziehbar, wurde jedoch in Japan besonders perfektioniert. Auch wenn Wabi-Sabi, mit seinen Ausprägungen in der Betrachtung von Ästhetik, Geisteshaltung und Einordnung von materiellen Qualitäten, seinen Ursprung in Japan hat und man dort recht geübt ist auf dieser Empfindungsebene, so ist der Geist des Wabi-Sabi dennoch auch von uns westlichen Menschen fühlbar und nachvollziehbar.

Wabi-Sabi hat seinen Ursprung im Zen-Buddhismus bzw. der Teezeremonie. Mit dem Projekt "Gardens of Wabi and Sabi" habe ich dieses Sehen und Empfinden mit Hilfe von Bildern transportiert und dem Betrachter zugänglich gemacht.

Eigenschaften und Werte des Wabi-Sabi:
Nichts ist vollkommen, alles ist im Fluss. Vergänglichkeit, Alterung, Zerfall Akzeptanz dessen was ist. Konzentration auf das "Eigentliche", Bescheidenheit und Einfachheit

Schlichtheit, Einfachheit, Reduktion.
In den so genannten Stein- oder Trockengärten Japans werden nur wenige Materialien zur Gestaltung eingesetzt. Gerade daraus beziehen sie ihre Ausdrucksstärke und Faszination. Durch Ausschnitte und weitere Reduktion habe ich diese Kraft verstärkt.

Schönheit in der Vergänglichkeit.
Wird nicht erst durch die Wahrnehmung der Vergänglichkeit der ästhetische Wert eines Objektes sichtbar bzw. fühlbar?
Besonders deutlich wird das komplexe Wesen von Wabi und Sabi in dem Trompe l´oeil "Inside or outside". Abgesehen von der augenscheinlich physischen Erscheinung des sich verfärbenden Laubes, welches von der Patina der Tür in geradezu idealer Weise ergänzt wird und sich zu einem wohltuenden ästhetischen Ensemble vereint, kommt eine weniger offensichtliche metaphysische Seite von Wabi-Sabi ins Spiel. Wo steht der Betrachter? Von wo schaut er wohin. Sieht er von innen nach außen oder umgekehrt? Oder schaut er von außen nach außen, von einem Garten in einen anderen? All das bewegt den Betrachter und es ist doch nicht relevant. Konzentration auf das Eigentliche, genieße den Moment.

Alles fließt
Eine Steigerung der Wahrnehmung von Einfachheit, Vergänglichkeit und dem Fluss der Zeit wird in den Bambusmotiven und dem Motiv "Grenzenloser Geist" deutlich.
Mit Licht als flüchtigem Element bleibt dem Betrachter nur ein kurzer Moment, um die Schönheit und Kraft der Natur aufzunehmen.

Helmut Rueger

Karesansui
Gärten
Bambus
Bambus